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Viva La Mamma! Höherer Blödsinn - mit Musik

Bevor es Lichtspielhäuser und Flimmerkisten gab, sind die Menschen ins Theater gegangen. Diese Bretter, die die Welt bedeuten, waren Thema Nummer eins. In Scharen sind die Menschen in Premieren gerannt, jede größere Stadt hatte ihre eigene Bühne, jedes kleine Dorf sein eigenes Laien-Ensemble. Und… wer’s nicht gemerkt hat: das ist auch heute noch so.

Und wie heute Parodien, wie „Scary Movie“ oder „Die nackte Kanone“ die Film- und Fernsehlandschaft verballhornen, so gab es dieses Genre selbstverständlich genauso in der Theaterwelt. Und, man höre und staune, es gibt die Parodie am Theater natürlich ebenso auch heute noch. Und sie ist, wie beim Film, sehr beliebt unter Theatergängern. Wer lacht nicht gerne über Dinge, die sonst so ernsthaft und ganz anders daherkommen.

Eben so eine Parodie ist Gaetano Donizettis’ „Viva La Mamma - Le convenienze ed inconvenienze teatrali“, am 20. April 1831 am Teatro alla Canobbiana in Mailand uraufgeführt. Genau genommen ist „Viva la Mamma“ eine Opera buffa, also eine komische italienische Oper, im Gegensatz zur ernsten Opera seria. Und dieser komische Zweiakter feierte am Donnerstag, den 4. Februar 2016, also knapp 185 Jahre später, seine Premiere am Theater Ulm, dem ältesten Stadttheater Deutschlands. Regisseur Andreas von Studnitz ist in seiner Inszenierung natürlich nicht auf dem Stand von 1831 stehen geblieben. Vielmehr holt er das angestaubte Ding in die Neuzeit, hat es aufpoliert und neu veredelt. 

Und worum gehts überhaupt? „Viva la Mamma“ ist Farce und Satire. Eine Parodie auf den Theaterbetrieb selbst. Ein Stadttheater, kurz vor der Pleite, bringt auf Biegen und Brechen sein hoffentlich nicht-letztes Stück auf die Bühne. Und es geht schief, was nur schiefgehen kann. Jedes Klischee wird bedient, vom irren Ego-Regisseur über die selbstüberschätzte Operndiva und dem desinteressierten Chor, bis hin zur schwangeren Assistenz und der verschlagenen Intendanz ist alles dabei. Ganz vorne und von aussen dann noch La Mamma Agata, ehemalige Stadträtin mit zwangstalentierter Tochter, Einfluss und Finanzen, die sich so tief in die zerbrechliche Welt der Künstler reinbohrt, dass erstrecht nichts mehr funktioniert. Die Inszenierung beginnt mit den Probenarbeiten an „Romulus und Ersilia“, dem Stück im Stück. Im zweiten Akt kommt es zur Generalprobe. So grob die Handlung. Kleine Seitenhiebe aufs Ulmer Stadtgeschehen natürlich inklusive.

Was sticht heraus? Ganz klar Dominik Nekels Performance als Mamma Agata. Ja, richtig. Ein Mann im Frauenkostüm. Und das ist nicht nur komisch, sondern war zu Theaterurzeiten völlig normal. Echte Frauen auf der Bühne waren einst undenkbar, brachten sogar Unglück. Diese Zeiten sind gottseidank vorbei. Mit Fasching hat das aber auch nichts zu tun. Sondern mit Kunst. 

Mehr als nur einmal könnte man denken, es würde die namentlich göttliche Divine hier in Ulm auf der Bühne stehen, Drag Queen der Trash-Welt eines John Waters, Kultregisseur in den 1970er und 80er Jahren des alternativen US-Filmes. Bravo! Und nicht nur Mamma Agata erinnert an göttlichen Trash, die ganze Inszenierung bedient sich großzügig dieses Stilmittels. Kostüme und Bühne sehen aus, wie eine Mischung aus einem Popart-Comic und einem verranzten Gebrauchtwarenladen. Und es singen und spielen, erfolgreich charmant, dagegen an: der Opern- und Extrachor des Theaters mit dem Philharmonischen Orchester der Stadt Ulm.

„Viva La Mamma - Le convenienze ed inconvenienze teatrali“, was soviel heisst, wie „Sitten und Unsitten am Theater“ spielt wieder am Mittwoch, den 10. Februar um 20 Uhr im Großen Haus, die Derniere wird am Sonntag, den 22. Mai um 14 Uhr gefeiert. Alle weiteren Termine finden sich auf www.theater.ulm.de 

Höherer Blödsinn - mit Musik. Nichts wie hin!


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