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Faada Freddy

In Frankreich bereits einer DER Newcomer, der im Zénith auftritt, der wichtigsten Konzerthalle des Landes und jetzt auch international in den Startlöchern steht: Faada Freddy veröffentlicht sein Debütalbum „Gospel Journey“ am 29. April bei Caroline International/Universal Music. Produziert wurde „Gospel Journey“, vielschichtiges Vokalkunstwerk und Pop-Statement zugleich, von As’, der zuvor unter anderem für Imanys gefeierten Erstling „The Shape Of A Broken Heart“ hinter den Reglern gestanden hatte (ein Platinerfolg in Frankreich und etlichen anderen europäischen Ländern).

Mit Dreadlocks und Melone à la Chaplin oder Klappzylinder zum weißen Hemd, wie einer von den Unbestechlichen während der Prohibitionszeit: Man erkennt schon von weitem, dass Faada Freddy seinen ganz eigenen Style hat, ein Mix, in dem der Chic vergangener Tage auf den Rudeboy-Look der Straße trifft. Mit Swing-Kid- und Zazou-Lässigkeit kommt er wie ein Street-Dandy daher, und tatsächlich verrät dieser Look schon viel darüber, was einen auf seinem Soloalbum „Gospel Journey“ erwartet: Auch seine Songs sind nämlich elegant und stylisch zugleich, zeitlos und doch irgendwie absolut zeitgenössisch. Produziert wurde „Gospel Journey“, vielschichtiges Vokalkunstwerk und Pop-Statement zugleich, von As’, der zuvor unter anderem für Imanys gefeierten Erstling „The Shape Of A Broken Heart“ hinter den Reglern gestanden hatte (ein Platinerfolg in Frankreich und etlichen anderen europäischen Ländern).

„Gospel Journey“ ist ein Werk, das zahlreiche Genres und Klanggebiete überspannt, oftmals sogar solche, die an ganz unterschiedlichen Enden des Spektrums angesiedelt sind: Soul und Lobgesänge vergangener Tage treffen auf A-capella-R&B, auf Akustik-Rock, auf Folk- und Indie-Einflüsse, verschmelzen zu einer Einheit, die von Faada Freddys Stimme zusammengehalten wird. Es ist eine Stimme, die für ihre Wärme, ihre Melodie, auch für ihre Aufrichtigkeit von vielen als die große Neuentdeckung des Jahres 2015 gefeiert wurde.

Faada, der gebürtig Abdou Fatcha Seck heißt, kommt aus einer senegalesischen Großfamilie: Er hatte fünf Geschwister, sein Vater arbeitete als Lehrer und Schulinspektor. Seine Erziehung war streng, Disziplin und gute Noten waren wichtig, doch der Vater liebte auch die Musik – und gab diese Liebe unwissentlich weiter an eines seiner Kinder. Zunächst bastelte Faada in seiner Freizeit Gitarren aus alten Ölkanistern, und Marke Eigenbau war auch seine kleine westafrikanische Laute, Toukouss ngalam: aus Konservendosen. Später, inzwischen am Lycée Maurice de la Fosse gelandet, nahm er mit seinen Freunden N’Dongo D und Alajiman ein erstes Tape unter dem Namen Daara J auf: Sie eroberten damit nicht nur die afrikanische Rap-Szene, sondern sorgten mit dem Album „Boomerang“ auch international für Furore: Für das Album wurden Daara J von der BBC mit einem Award als „Best African Act“ ausgezeichnet, und sie teilten sich wenig später bereits die Bühne bzw. das Studio mit Größen wie Damon Albarn, Peter Gabriel, Wyclef Jean, Les Rita Mitsouko und Mos Def...

Für sein nächstes musikalisches Abenteuer blieb Faada einem Teil der Hip-Hop-Kultur treu: dem Beatboxing, jener Kunstform, die so ziemlich jedes Instrument mit dem Mund zu imitieren versucht. Auf „Gospel Journey“ spielt Beatboxing eine wichtige Rolle, wie übrigens auch andere genauso körperliche Techniken: das Klatschen zum Beispiel und „Body Percussions“ ganz allgemein (wenn man z.B. einen Arm als Trommel einsetzt). Auch deshalb klingt die Produktion immer wieder überraschend, nie traditionell: Es ist im wahrsten Sinne des Wortes

handgemachte Roots-Musik, Gospelmusik, wie im Titel schon angedeutet, Musik, die von ihrer Spiritualität getragen wird, geboren vor langer Zeit auf Baumwollfeldern und in ländlichen Gotteshäusern.

Wie eine Taufe, ein Akt der Reinigung, stürzt sich Faada in den Urstrom afroamerikanischer Musik und bewegt sich dorthin zurück, wo Blues und Soul, wichtige Inspirationsquellen, ihren Anfang genommen haben. Doch Faada Freddy driftet nicht bloß weit zurück durch Raum und Zeit, denn so gut wie alle Stücke von „Gospel Journey“ sind genau genommen Cover-Versionen von zeitgenössischen Songs – und zwar aus den unterschiedlichsten Ecken: Soul, R&B, Folk, Punk, Indie... Da wäre „Letter To The Lord“ von der Kamerunerin Irma, „Truth“ von Alexander (USA), „Generation Lost“ von der Punkband Rise Against, die Singleauskopplung „We Sing In Time“ von The Lonely Forest (USA), „Sleep Down“ von Imany, „Let It Go“ von Wasis Diop aus dem Senegal, „Little Black Sandals“ von Sia (Australien), „The Death of Me“ von City & Color (Kanada) oder auch „Lost“ von der Kanadierin Grace.

Abgerundet wird diese Songauswahl, die er mit seinem unverwechselbaren Vokalkunst-Ansatz neu interpretiert, von dem Stück „Reality Cuts Me Like A Knife“, komponiert von Faada, sowie einer Interpretation von „Borom Bi“, einem älteren Titel von Daara J. Insgesamt ist so ein Album entstanden, das zwar an vergleichbare Vokal-Alben von Künstlern wie Bobby McFerrin, Fredo Viola, Björk oder Camille anknüpft, sich aber keinesfalls auf ein bloßes Stilexperiment reduzieren lässt.

Stattdessen funktioniert „Gospel Journey“ tatsächlich wie ein Reise: Man folgt einer herausragenden Stimme, die einem Urtümliches wie Zeitgenössisches gleichermaßen vor Augen führt, beide Pole miteinander vereint. Auf vollkommen eigentümliche Weise schlägt dieses Album eine zutiefst menschliche Brücke zwischen Musikstilen, Genres und Kontinenten – und es schafft dieses Kunststück mit Ehrlichkeit, viel Emotion und noch mehr Eleganz. Hut (genauer: Melone) ab!

Gospel Journey (kw18 02.05. - 08.05.2016)
Caroline / Universal Music
29.04.2016

 

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