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Dieter Meier

Die aufregendsten Geschichten, die uns im Leben widerfahren, sind die, in denen das Leben selbst das Drehbuch zu schreiben scheint. Man muss nur zugreifen. Wenn es auf diesem Gebiet einen Experten gibt, dann ist dies sicherlich der Schweizer Künstler Dieter Meier, der nun im Alter von 69 Jahren sein erstes Solo-Album veröffentlicht.

Von seiner Performance-Kunst, über die Arbeiten mit YELLO bis hin zum Winzerleben: Dieter Meier nimmt nur allzu gerne neue Herausforderungen an. Er scheint sich ungern in Routinen zu verstricken, die wir Menschen Alltag nennen. Bei Meier gehört in jedem Fall ein dicker Bindestrich zwischen diese beiden Wörter geschrieben: All - Tag.

Dass sein Solo-Debüt den stolzen Titel "OUT OF CHAOS" trägt, ist dabei nur konsequent; es ist eine große Ehrerweisung an das „Chaos". An die – zumindest theoretische – Möglichkeit, dass jeden Tag alles möglich scheint. Andererseits: Die Existenz des Chaos selbst ist auch nichts weiter als eine gewagte Hypothese.

Dieter Meiers Songs haben in den letzten Jahren viele interessante Prozesse der Transformation durchlebt. Man könnte fast sagen: Sie sind in der Zeit gewachsen – oder aus ihr heraus. Dieter Meier hat sie mit auf seine Reisen und Abenteuer genommen: In ständiger Veränderung begriffen, aus der Dunkelheit hinein in das Licht der Scheinwerfer: Anlässlich einer Lesereise zum Filmspektakel "Touch Yello", angeregt von seinem langjährigen Berliner Freund und Weggefährten Marcus Herold, brachte Meier einst zur Auflockerung eine Hand voll eigener Songs mit, die er mit dem Jazzgeiger Tobias Preisig und dem Gitarristen Nicolas Rüttimann aufführte.

Meier, der mit YELLO (bis auf zwei Ausnahmen in London und New York) übrigens nie live aufgetreten ist, fand schnell gefallen an der Bühnen-Situation und schrieb weitere Stücke. Herold rief den Nick Cave and The Bad Seeds-Schlagzeuger Thomas Wydler an, Pianist Ephrem Lüchinger stieß zur Band und neuere Versionen der "OUT OF CHAOS" Songs fanden schnell ihre ersten Live-Aufführungen vom Montreux-Festival bis hin zur Berliner Volksbühne.

In Berlin fand man im Sommer 2013 schließlich mit Nackt, Ben Lauber (u.a. Apparat Band) und dem Electro-Pionier T.Raumschmiere ein experimentierfreudiges Produzententrio, das als große Meier- Fans in den Chez Cherie-Studios an der Sonnenallee – gemeinsam mit der Out-Of-Chaos-Band der ersten Generation – für die Songs nach dem definitven Out Of Chaos Sound forschte. So wurden unzählige Sessions gespielt, arrangiert, umkomponiert, Ideen verworfen und wieder bei Null angefangen. Ein einziges kreatives Chaos!

Herausgekommen ist schließlich ein großes Album, in dem Dieter Meier an der Bar seines Lebens über den Fluss der Zeit sinniert. Mal klingen seine Lieder wie Electro-akustische Yello-Songs ("Lazy Night", "Paradise Game", "Jimmy") mal wie ein zärtlicher Verflossenen-Blues aus dem tiefen Ozean ("Loveblind", "Annabelle"), mal gibt es postpunkige Unverschämtheiten ("Fat Fly", "Baffoon") oder eine Ode an einen befreundeten Künstler, der sich als Nachtportier durchschlagen muss, wird zum Besten gegeben ("Night Porter"). Immer klingt "Out Of Chaos" nach einer magischem Sound-Alchemie aus Chanson, Electro und Dub.

Und wie auf allen anderen Bühnen, die er als Künstler bespielt, ist Dieter Meier auch als Out Of Chaos Singer/Songwriter ein Entdecker sui generis, der sich in seiner neuen Welt findet und erfindet.

Tracklisting:
01 Lazy Night
02 Paradise Game
03 Busy Going Nowhere
04 Night Porter
05 Loveblind
06 The Ritual
07 Another Day
08 Jimmy
09 Buffoon
10 Fat Fly
11 Annabelle
12 Schueffele

OUT OF CHAOS (kw16 | 14.04. bis 20.04.2014)
Staatsakt / Rough Trade
11.04.2014

 

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