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Tosca

Wer meint, Rupert Huber und Richard Dorfmeister zu kennen, dürfte sich bald wundern: Das Wiener Duo, bekannt unter dem Namen Tosca, wird mit seinem neuen Album “Outta Here” für eine Überraschung jenseits der Erwartungen sorgen. Bislang war das Duo untrennbar mit üppigen Soundcollagen und zurückgelehnten Downbeat-Klängen verbunden. Der neue Stil von Tosca kombiniert Elemente aus Avantgarde, Pop, Soul, Jazz und Blues, während Earl Zinger und Cath Coffey skurrile Lyrics zu den Songs beisteuern.

“Der Name “Outta Here” wurde aus gutem Grund gewählt”, erklärt Rubert Huber. “Der Titel steht für Veränderung, ein Wandel unseres bisherigen Konzeptes. Eine Veränderung in Punkto Energie und Dynamik. Wir waren immer eher bekannt für Ambient-Sounds. Die neuen Songs sind nun viel beat-orientierter und direkter, einfach sehr viel energetischer.” Das sind sie definitiv.

Bestes Beispiel: der Track “Crazy Love”, aufgebaut auf einer Basslinie, der Earl Zinger eine Portion Soul beisteuert, während Keyboards und gedämpfte Sounds im Hintergrund wabern und aufflackern. “Swimswimswim” arbeitet mit ganz ähnlichen Elementen, garniert durch die Stimme von Cath Coffey (Stereo MCs/ Terranova), verdichtet zu einer unwiderstehlichen Mischung von Feel-Good-Vibes. Der Titeltrack “Outta Here” wiederum klingt wie ein verlorenes Juwel aus der Ära der frühen 90er-Jahre, treibend, schwitzend und slick.

“Das Ganze war eine natürliche Evolution”, sagt Richard Dorfmeister. “In der Vergangenheit waren wir sehr auf uns fokussiert, weil wir in unserem eigenen Studio arbeiteten und bedächtig an unseren Sound-Kollagen bastelten. Diesmal war der Prozess flotter, weil wir mehr mit Sängern arbeiteten, das Ergebnis ist eher schnell und unmittelbar. So gesehen bedeutet der Titel “Outta Here” buchstäblich, dass wir herausgegangen sind aus dem Studio.”

Das Album ist wie als Band entstanden – mit Cath Coffey und Earl Zinger als (temporären) weiteren Mitgliedern. Entsprechend flüssig war der Prozess beim Composing. Die Tracks “Swimswimswim” und “Happy Hour” wurden an nur einem Tag geschrieben, nach einem Gig in Budapest. “Wir haben mit anderen Leuten noch nie so schnell gearbeitet”, sagt Rubert Huber. “Die Songs wurden schneller fertig, was bedeutet, dass sie sich auch anders anfühlen. Earl Zinger und Cath steuerten viel Input bei, was einen großen Einfluss hatte. Live zu spielen hat uns zusammengeschweisst und den kreativen Prozess sehr beschleunigt.In der Vergangenheit hat es bei uns vier Jahre gebraucht, um ein Album zu machen. Dieses ist eher eine Momentaufnahme, ein Schnappschuss des Hier und Jetzt. Wir hatten das Gefühl, die aktuelle Situation einfach einfangen zu müssen, ganz schnell, ohne lange daran herumzutüfteln.”

Großen musikalischen Einfluss auf Rupert und Richard während der Aufnahmen von “Outta Here” hatte das Album “Alone”, eine Compilation aus Unplugged-Tracks der Blues-Legende John Lee Hooker. “Da ist einfach nur er und seine Blues-Gitarre”, sagt Rupert. “Ich liebe es. Es ist so pur.”

Wenn nun die beiden von ihren neuen Aufnahmen meinen, sie klingen “amerikanisch”, dann sprechen sie auf die Einflüsse von Musikern wie Hooker an. “Es geht um Groove, es geht um „black music“, sagt Richard. “Ich denke in unserem musikalischen Herzen sind wir Afroamerikaner. Das ist, was wir immer geliebt haben. Die Musik die wir mochten, als wir aufgewachsen sind, war amerikanisch und britisch. Diese warm klingenden Aufnahmen. Das neue Album klingt genau so – eben wie das Ergebnis, wenn man viel amerikanische Musik hört.”

Es ist Musik, die dazu gemacht ist, live gespielt zu werden – etwas, das man in der Vergangenheit nicht unbedingt über Tosca sagen konnte. “Den Ambient-Sound, den wir gemacht haben, funktionierte nur wirklich in richtigen Konzert-Häusern”, sagt Rupert. “Man konnte sich den Sound nicht auf einem Festival vorstellen. Das funktionierte einfach nicht. Diesmal können wir das ganze Album spielen und es funktioniert alles. Wir bekommen eine unmittelbare Reaktion. Wir haben es schon auf unserer Tour in den USA und Deutschland gespielt und die Leute sprangen direkt darauf an, auch wenn sie die Tracks nicht kennen.”

Doch fürchtet das Duo, dass der neue Sound einigen Fans vielleicht nicht gefällt? “ Nein, es ist ja nicht komplett anders. Es ist immer noch unser Stil, unsere Grundstimmung. Es ist nur etwas direkter”, sagt Richard Dorfmeister. “Die Leute haben immer ein Bild von Dir und es kann lange Zeit brauchen, um das zu ändern. Man steht für etwas und das ist es, wie die Leute Dich sehen. Ich denke, die Leute ordnen uns in der zurückgelehnten, entspannten Ecke ein. Über die letzten 20 Jahre hinweg wurden wir in die Kategorien Lounge, Chill-out oder Downbeat gesteckt. Wir haben uns selber aber immer in erster Linie als Alternative zu kommerzieller Musik gesehen. Und das ist immer noch das, was wir tun, nur eben diesmal in einer anderen, etwas direkteren Art.”

Tracklist:
01. Harry Dean
02. Outta Here
03. Crazy Love
04. Have Some Fun
05. H.D.A.
06. Prysock
07. My Sweet Monday
08. Swimswimswim
09. Schopsca
10. Put It On
11. Kickin It Down
12. Lone Ranger
13. Open Sky
14. Happy Hour

Tosca live:
06.12.2014 Berlin - Lido

Outta Here (kw43 | 20.10. bis 26.10.2014)
!K7 / AL!VE
03.10.2014

 

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