Platte der Woche

Coverbild: 
KW 38 14.09. - 20.09.2026

Half-told tales

Artist: 
Arab Strap
Erschienen: 
04.09.2026
Label: 
Rock Action Records

“This time we put everything on it”, sagt Arab Strap-Sänger und Schlagzeuger Aidan Moffat. “We normally have three or four songs left over from a session but with this one, it was like, fuck it.” Angesichts des bevorstehenden großen Jubiläums herrschte das Gefühl, einfach mal alles rauszulassen. “We've done this for 30 years, so why hide anything? Why be unsure”, fährt er fort. “This way, it gives you a better picture of what we've been working on and shows the full breadth of what we’re doing, and hopefully there's a few surprises.” Die Überraschungen sind von Anfang an auf dem 14-Track-Album half Told Tales zu finden, ihrem dritten seit ihrer Wiedervereinigung im Jahr 2016 und der vorangegangenen 10-jährigen Pause. Gleich der Opener „I Get Noise“ verbindet große, schwere, knackige Gitarrenriffs, donnernde Drums und ein frei fließendes Saxofon, während Moffat darüber sinniert, in einer Welt voll kreischenden Tumults nach Fluchtpunkten und Einsamkeit zu suchen. “I thought it was quite funny that I was singing about yearning for a quiet life but then having something musically screaming in the background", sagt er. Und schon geht es weiter mit „You You You“, einem Stück, das wie eine längst verloren geglaubte Italo-Disco-Perle zum Leben erwacht – und zu einem der melodischsten Songs wird, die das Duo je geschrieben hat – allein, wie Moffat den Refrain intoniert - und das noch bevor Multiinstrumentalist Malcolm Middleton den Song mit seinen sägenden Gitarrenlinien aufbricht. Das Ergebnis fühlt sich wie ein völlig neues Genre an. “A sort of disco-metal incantation”, schlägt Moffat zur Einordnung vor: “With a message of future felicity and fellowship that – fingers crossed – might make you dance and giggle too.”

An anderer Stelle bewegt sich das Album in eklektische und elektronische Gefilde. „Glamour Magick“ ist eines der vielen Stücke, die aus jenem Entsetzen entstanden sind, das Moffat beim Scrollen auf seinem Handy empfand. Das Ergebnis ist eine fast schon The Fall-artige, düstere Satire über die Wellness-Industrie im Zeitalter der sozialen Medien.

Über sprudelnden Beats und zartem Klavierklängen ist „Be a Man“ dagegen eine berührende und ergreifende Reflexion über Vaterschaft im Zeitalter der Manosphere und eine Auseinandersetzung mit den Vorstellungen, die man sich so vom Erwachsenwerden macht. „Fighting for You“ ist wiederum inspiriert von einer Zeile aus der politischen Satire „Universality“ der Autorin Natasha Brown, eine heftige Abrechnung mit rechtsextremen Betrügern, hohlem Nationalismus und rückgratlosen Anführern. “It’s about certain political figures and demagogues that I don't trust to look after anyone's interest, especially the working classes”, erläutert Moffat. “But I'm trying to do that in as fun a way as I could – to make it quite entertaining without getting too grim.”

Trotz all der schwerwiegenden, nicht eben hoffnungsvoll stimmenden Themen, von denen das Album handelt, war es Moffat wichtig, sich dennoch eines optimistischen Blicks zu entsinnen. “I think there's a hope in there”, erläutert er. “There's actually some genuine joy in the record. I was quite conscious of that, as the last one was really dark.” Das vielleicht vorherrschende Thema des Albums ist jedoch Zeit als solche - und ihr Vergehen. „The album title sounds like a fairy tale book, until you get to the end of the record and you realise that I'm talking about lives that have ended too early” sagt Moffat. “That's something that just seems to be part of your life when you get to your fifties. You become acutely aware that you're in that final third of your life. I think every single song has some element of time or some discussion of its passing and how to use it as best you can while you have it.” Nicht zuletzt bemerkenswert: "Half-Told Tales" deckt wirklich die die gesamte Bandbreite von Disco über Post-Rock und Spoken Word bis hin zu Metal ab, ergänzt durch Elemente, die von Folk bis Electronica reichen, und bewahrt dabei dennoch einen unverkennbaren Kern. Genau das macht Arab Strap auch heute noch – im 31 Jahr ihres Bestehens – zu einer so spannenden Band: Sie bewahren ihre unnachahmlichen Eigenschaften und beschreiten gleichzeitig immer wieder neue Wege und musikalisches Terrain. “We always try different styles but it always sounds like us” sagt Middleton. “Whether it's a samba drum beat or a dance beat or live drums. Our identity just comes through in the studio.” Für Moffat ist das symbolisch für den Punkt, an dem sie derzeit stehen: “The best thing to celebrate our birthday was to do something that was new, interesting and exciting for us to play”, ergänzt er. “The last thing we wanted to be was one of these heritage bands that just keep touring old records.”

Tracklist: 
01I Get Noise
02You You You
03Be a Man
04Fighting For You
05Glamour Magick
06Gape
07Under Offer
08Basic Physics
09Sunsong
10Dollar Park
11Mr. Splitfoot
12Ampersand
13Fragments
14Beats Per Minute

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