Gegen Stumpfsinn
und Langeweile

aus dem Äther.

Länger ON AIR als Berblinger

GERALD FIEBIG - Passagen. Werk für Walter Benjamin

[Am 30.08.2020 live @ Stadthaus Ulm + Radio free FM, am 20.09.2020 @ Radiofabrik Salzburg]

Nachstehende Besprechung von Rigobert Dittmann erscheint in Bad Alchemy 108

Eine radiophone Komposition, zum 80. Todestag von Walter Benjamin (1892-1940) in Auftrag gegeben für die Sendung "Entartet" von Christian Clement (ein Name, der bei Würzburgern Erinnerungen weckt an die 80er und ans alte AKW – ja, so klein ist die Welt).

Gerald Fiebig seinerseits ist eine eingeführte Marke, in Augsburg als Leiter des Kulturhauses Abraxas, als Macher von Gedichten (..."nach dem nachkrieg", 2017, "motörhead klopstöck", 2020) und von Radiostücken, durch Attenuation Circuit und bei Bad Alchemy durch zuletzt "Gasworks". Mit Hommagen an Luc Ferrari und Alvin Lucier verriet er etwas von seinen klangweltlichen Präferenzen, mit "Akustisches Denkmal für Walter Klingenbeck" (über einen vom NS-Regime ermordeten, 19-jährigen Widerstandskämpfer) oder "Wien 12.02.1934" (über das Niederkämpfen der österreichischen Sozialdemokratie durch die Austrofaschisten) positionierte er sich engagiert.

Bestärkt durch 'Exploding the atmosphere: Realizing the revolutionary potential of "the last street song"', Bruce Russells Beitrag zu "Reverberations – The Philosophy, Aesthetics and Politics of Noise", findet Fiebig in Benjamin die Gestalt, die ästhetische Fragen (Der Sürrealismus, Das Kunstwerk im Zeitalter seiner technischen Reproduzierbarkeit...) besonders dia-gnostisch verknüpft hat mit ethischen (Über den Begriff der Geschichte, Theologisch-politisches Fragment...). Benjamin hat in sich mit seinen Denkbildern und kleinen Kunst-Stücken (Berliner Kindheit um neunzehnhundert, der Gestalt des Flaneurs, des erfahrungsarmen Nachkriegsbarbaren...) ja quasi Das abenteuerliche Herz und Der Arbeiter von Ernst Jünger mit Ernst Blochs Spuren und Erbschaft dieser Zeit vermittelt.

Fiebig liest Zitate aus den genannten, für Benjamin grundlegenden Texten, und Sätze aus dem "Passagen"-Fragment. Er lässt Benjamins Engel im Windkanal der Geschichte sich vergeblich gegen den Sturm stemmen, der vom Paradies her weht und eine Spur der Verwüstung zieht. Wo der Zug der Weltgeschichte in die falsche Richtung rast, wird der Griff nach der Notbremse zum revolutionären Akt und Leitmotiv. Fiebig stellt die Hörer dabei in Wind und Regen und mit Benjamin in eine Zeit, in der das Telefon noch als Alarmsignal klingelte oder dem Vater als Ventil für Donnerworte taugte, während er selber zum Hörer griff, um gebannt einer fremden Stimme zu gehorchen.

U-Bahn-Lärm und Noise zerren an den Nerven. Poes 'Man in the Crowd', dessen abrupte, fieberhafte Bewegungen die Maschinerie imitieren, die auch der Konjunktur und den Waren ihre Stöße versetzt, korrespondiert zu Fiebig'scher Bedröhnung mit dem entschleunigten Drogenrausch, dem sich der Baudelaire'sche Flaneur in Paris überlässt, und mit den Opfern der urbanen Berauschung, die Friedrich Engels im Gewühl von London registrierte. Der Lärmzug nimmt Fahrt auf für das Geprickel von Zitaten als unterbrochenem Zusammenhang und herausgeschlagener, vervielfältigter Überlieferung, eingedreht in Loops, als Cut-up montiert in ein musikalisches Potpourri mit Weimarkolorit.

Und mittendrin steht der in einem Kraftfeldzerstörender Ströme und den Erschütterungen der Warenwirtschaft zerrüttete Mensch, der ein paar Schraubendrehungen der Geschichte weiter, noch bequemer geworden als Benjamins 'Etui-Mensch', vom erträumten Ruin der Bourgeoisie und einer Veränderung der Eigentumsverhältnisse nichts mehr weiß. Der 'destruktive Charakter' ist von Benjamins nihilistisch-surrealistischem Wegbereiter und revolutionärem Umwälzer zum bloß noch reaktionären Hosenscheißer mutiert. Eine Blockflöte schreit erbärmlich, der Reistopf brodelt, kein Volk, kein Aas hört die Signale, die Klampfe ist verstimmt, kein Gassenhauer hat mehr verborgene Kräfte. Kein Wunder, dass ich Die Ordnung des Profanen hat sich aufzurichten an der Idee "des Clubs" höre, wenn Fiebig von Benjamins Idee des Glücks rappt. Denn der Feind hat zu siegen nicht aufgehört, und die Lokomotive rast ungebremst weiter. Entsprechend schrill der Alarm, um den katastrophalen Flow zu unterbrechen, damit es nicht ewig so weitergeht, barbarisch über die hinweg, die am Boden liegen.

Links:

 

Brassmaniacs im Spätsommertalk!

Die Brassmaniacs haben am Freitag, den 11.09.20 im Liederkranz beim Radio free FM Spätsommer gespielt.
Brassmaniacs - Gut gelaunte und bunt gemischte Charakter bildet eine Mischung aus funkigen Beats und groovenden Rhythmen, die für ordentliche Bewegungsdrang sorgen.
Nach den Jahren des fröhlich-hüpfenden Zusammenspiels stand die Band vor ihrem Auftritt für unsere Fragen bereit. Alles über die Brassmaniacs, wie sie die Zeit des Lockdowns verbracht haben und was Donald Trump mit der brandneuen EP zu tun hat, hört ihr in diesem Beitrag!

Der Mann der Wissen schafft

Gibt es eigentlich einen Tag in der Woche an dem er noch nicht Moderiert hat? Unsere Allzweckwaffe bei Radio free FM heißt Michael Troost. Und er moderiert nicht nur die Wissenstrahlung, sondern hat seine Finger bei Älles am Schdugg und zum Beispiel als Moderator der Plattform im Spiel. Doch unser Fotograf vom Dienst macht noch viel mehr! Seine Geschichte und wie er zu Radio free FM gekommen ist, erfahrt ihr im Podcast! Doch eines Vorweg: Vielen Dank Michael für dein jahrelanges Engagement! 

Mal Élevé im Interview

Mal Eleve

Der Radio free FM Spätsommer ist in vollem Gange! Am Wochenende war der Künstler Mal Élevé im Liederkranz zu Gast und hat mit seinen politischen Texten und mega Stimmung überzeugt!
Lea und Laura aus der Tagesredaktion haben persönlich mit ihm gesprochen und ihm ein paar Fragen gestellt: Hört rein, um mehr über seine Musik und aber auch seine Einstellung zu aktuellen Entwicklungen zu erfahren.
 

Passagen. Werk für Walter Benjamin - 25 Jahre free FM/ Entartet

Auf Einladung von Radio Free FM ist der Augsburger Tonkünstler Gerald Fiebig nach Ulm gekommen. Gerald Fiebig arbeitet seit vielen Jahren im weiten Feld der Audiokunst und der elektroakustischen Improvisation. Er produzierte bereits für den WDR, das Deutschlandradio Kultur, für BR 2, den ORF und andere Sender Audio-Kunstwerke , jedoch war es für ihn das erste Mal, dass seine Komposition Live im Radio während der Produktion übertragen wurde. Das Konzert wurde am 30.08.2020 ab 21.00 Uhr im Rahmen der Sendung „entartet“ live auf Radio Free FM übertragen. Die uraufgeführte radiophone Komposition „Passagen . Werk für Walter Benjamin“ gibt es in unserem Podcast zum nachhören und downloaden.

Die Uraufführung einer neuen radiophonen Komposition „Passagen. Werk für Walter Benjamin“. Das Stück wird speziell für diese Sendung entwickelt und erinnert anlässlich seines bevorstehenden 80. Todestags an Walter Benjamin – scharfsinniger Kulturtheoretiker und virtuoser Prosaautor, polemischer Literaturkritiker und visionärer Geschichtsphilosoph, messianischer Kommunist und antifaschistischer Kämpfer und nicht zuletzt medienbewusster Radiomacher. Das Stück verwebt Zitate aus Benjamins Schriften mit unterschiedlichen Klang-Szenen. Gerald Fiebig hat sich in verschiedenen Texten immer wieder auf Walter Benjamin bezogen, aber noch nie in einer akustischen Arbeit. Die Bezüge, die er in diesem Stück zwischen Benjamins Texten und seinen Sounds herstellt, sind teilweise inspiriert von dem Aufsatz „Exploding the Atmosphere: Realizing the Revolutionary Potential of ‚the Last Street Song'“, in dem der neuseeländische Noise-Musiker Bruce Russell experimentelle Sound-Praxis mit Bezug auf Benjamin und die Situationistische Internationale in einen politischen Kontext stellt.

Außer dem „Passagen-Werk“ (v.a. dem Konvolut N) werden u.a. folgende Texte Walter Benjamins zitiert:

  • „Über den Begriff der Geschichte“
  • „Das Telefon“ (aus der „Berliner Kindheit um Neunzehnhundert“)
  • „Der Flaneur“
  • „Das Kunstwerk im Zeitalter seiner technischen Reproduzierbarkeit“
  • „Was ist das epische Theater?“
  • „Erfahrung und Armut“
  • „Der Sürrealismus. Die letzte Momentaufnahme der europäischen Intelligenz“
  • „Theologisch-politisches Fragment“

Links:
Gerald Fiebig Homepage

Radio free FM Spätsommer

Spätsommer Banner

Nach dem erfolgreichen Alternative Autokino trägt Radio free FM nun zum spätsommerlichen Kulturprogramm Ulms bei. Insgesamt wurden 10 Veranstaltungen im Rahmen des 25-jährigen Sendejubiläums von Radio free FM organisiert.
Bei den Veranstaltungen des Kultursommers werden die Künstler und die Frequenz in den Mittelpunkt gestellt. Die Veranstaltungen werden Live übertragen, aufbereitet und in einer Podcastreihe einem breiten Publikum zur Verfügung gestellt.
Musik- und Literaturfreunde kommen in gewohnter Radio free FM Manier natürlich gratis auf ihre Kosten.

Veranstaltungsübersicht:
30.08.2020 // Gerald Fiebig - Stadthaus Ulm
05.09.2020 // Mal Élevé Soundsystem + DJ Tom - Liederkranz Ulm
06.09.2020 // Anthrazittt + KidKun - Hungry Turtle Ulm
11.09.2020 // Brassmaniacs - Liederkranz Ulm
12.09.2020 // Julian Maier-Hauff + Revision - Liederkranz Ulm
17.09.2020 // Rok - Cabaret Eden
19.09.2020 // Fabio Battista + Twiceasmad - Liederkranz Ulm
20.09.2020 // Dj Alkapulco Roy + Hans Francisco & Freunde - Hungry Turtle Ulm
26.09.2020 // Malaka Hostel - Liederkranz Ulm
27.09.2020 // Jam On Air - Radio free FM Studio

Alle Veranstaltungen sind kostenlos.
Es gelten die aktuellen Corona-Hygiene-Maßnahmen.

Wir danken für die Unterstützung durch das Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kunst Baden-Württemberg.

Aus 411 wird Unbekannte

Emanuel Oswald entführt euch Mittwochs für 2 Stunden in die Welt der Indie-Mucke. Aber nicht nur Indie-Rock, auch Fans von fast schon vergessenen Künstlern fern ab der Genregrezen kommen auf ihre Kosten! Doch wie kam Emi eigentlich zu Radio free FM und wie Vogelwild war eigentlich das erste mal On Air? Spoiler: Wild! Emis Geschichte hört ihr im Podcast! 
Eines Vorweg: Danke Emi und auf die 1000! 

Alternative Autokino: 25 km/h

Alternative Autokino: 25 km/h
Nach 20 Jahren treffen sich die beiden Brüder Georg (Bjarne Mädel) und Christian (Lars Eidinger) auf der Beerdigung ihres Vaters wieder. Beide haben sich zunächst wenig zu sagen: Georg, der Tischler geworden ist und seinen Vater bis zuletzt gepflegt hat, und der weitgereiste Top-Manager Christian, der nach Jahrzehnten erstmalig zurück in die Heimat kommt. Doch nach einer durchwachten Nacht mit reichlich Alkohol beginnt die Annäherung: Beide beschließen, endlich die Deutschland-Tour zu machen, von der sie mit 16 immer geträumt haben - und zwar mit dem Mofa. Völlig betrunken brechen sie noch in derselben Nacht auf. Trotz einsetzendem Kater und der Erkenntnis, dass sich eine solche Tour mit über 40 recht unbequem gestaltet, fahren sie unermüdlich weiter. Während sie schräge Bekanntschaften machen und diverse wahnwitzige Situationen er- und überleben, stellen sie nach und nach fest, dass es bei ihrem Trip nicht alleine darum geht, einmal quer durch Deutschland zu fahren, sondern den Weg zurück zueinander zu finden.

Eine Abendkasse ist eingerichtet! 

Alternative Autokino: Ich war noch niemals in New York

Alternative Autokino: Ich war noch niemals in New York
Für Lisa Wartberg (Heike Makatsch), erfolgsverwöhnte Fernsehmoderatorin und Single, steht ihre Show an erster Stelle. Doch dann verliert ihre Mutter Maria (Katharina Thalbach) nach einem Unfall ihr Gedächtnis, kommt ins Krankenhaus und kann sich nur noch an eines erinnern: Sie war noch niemals in New York! Kurzentschlossen flieht Maria und schmuggelt sich als blinder Passagier an Bord eines luxuriösen Kreuzfahrtschiffes.
Gemeinsam mit ihrem Maskenbildner Fred (Michael Ostrowski) macht sich Lisa auf die Suche nach ihrer Mutter und spürt sie tatsächlich auf der "MS Maximiliane" auf. Doch bevor die beiden Maria wieder von Bord bringen können, legt der Ozeandampfer auch schon ab und die dreifinden sich auf einer unfreiwilligen Reise über den Atlantik wieder.
Lisa lernt an Bord Axel Staudach (Moritz Bleibtreu) und dessen Sohn Florian (Marlon Schramm) kennen. Axel ist so gar nicht Lisas Typ, doch durch eine Reihe unglücklicher Missgeschicke kommen sich die beiden schließlich näher... Mutter Maria trifft auf Eintänzer Otto (Uwe Ochsenknecht), der behauptet, eine gemeinsame Vergangenheit mit ihr zu haben - was Maria mangels Gedächtnis natürlich nicht überprüfen kann. Und Fred verliebt sich Hals über Kopf in den griechischen Bordzauberer Costa (Pasquale Aleardi).
So verläuft die turbulente Schiffsreise - mit mehrmaligem Finden und Verlieren der Liebe und jeder Menge Überraschungen - nach New York.

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