Gegen Stumpfsinn
und Langeweile

aus dem Äther.

journalistisch

Coming Up Soon | 29.02.2020 | Deep Verkehrslage

Liebhaber von Underground Dance Music!

Ab Mitternacht präsentieren wir an diesem Schalttag: Deep Verkehrslage. Zunächst werden wir auf allen Fahrstreifen das neueste vom Verkehr aus der Welt der elektronischen Tanzmusik vermelden.  Mit 120 BPM cruisen wir mit und durch:

  • Nhii – Salt of the Earth (A Tribe Called Kotori): “ … The best and most noble of its kind, Nhii presents: ‘Salt of the Earth:’ a grounded, shapeshifting and genre-defying 4 track.…This offering of sonic awareness is a must listen for those who wish to shake the troubles from their shoulders and take an aural journey to freedom.”
  • Nall - Gliese 581 (REWORCK): “… His new release on Reworck is a rolling journey though progressive electronic and acoustic sounds …”
  • Hidden Empire – Odyssee (Stil vor Talent): “… The year is 2091 and mankind has been taken over by laser-eyed robots: this is the soundtrack. Techy, glitchy, futuristic: take a deep breath as 'Odyssee' takes you on a voyage of high-tech sonic wizardry. …… Consistent, persistent: Hidden Empire present 'Odyssee', a 4 track dancefloor fodder for big sound-systems and the longest of nights:  the perfect peak time player.”
  • Deorbiting & pølaroit – Depølar (Stil vor Talent): “ … Slip out of your regular orbit as Deorbiting and pølaroit join forces to bring you ‘Depølar.’ Running the gamut from spacey house into floaty organic instrumental melodic tracks, here is a sonic expedition for your listening pleasure. … Whether you’re up early or late out, slide into a state of early morning bliss with ‘5am’. This sonic elixir is a lullaby for the between-times: reflective, gentle, ecstatic vibes. A fusion of polarities, this EP is one to keep in your pocket to whip out and transmute something quite cosmic to the dancefloor, or bedroom floor.”

Im zweiten Teil der Show, so gegen 1 Uhr 15 gibt es dann aber wahrhaftige Verkehrsmeldungen zu hören. Und zwar in Gestalt einer preisgekrönten Collage. Mehr wird jetzt mal nicht verraten. Einschalten!

Bis gleich.

Herzlichst

Progdorf

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post-show-services:
# Playlist: https://www.progdorf.de/radio-playlist/playlist-2020
# Show: https://www.progdorf.de/program/news/
# 24/7 Elektronische Fußpflege: https://www.progdorf.de/stream

Foto: Jörg Graßdorf © 2020

Klein, aber fein | Über die "TentStage" @ SommerTagTraum - aber nicht nur

Wüßten wir es nicht besser, man könnte meinen, der Pabst hält Einzug in Neu-Ulm: „Heute abend wird hier Geschichte geschrieben … gestern noch in Athen, heute abend in Neu-Ulm, seid ihr bereit für den Countdown? …“ Die Menge tobt. Sie ist bereit. Darauf hat sie Stunden gewartet.

Doch was heißt hier Menge? Nach Auskunft eines Verantwortlichen sollen zwischen 16 und 17 Tausend Menschen den „SommerTagTraum“ besucht haben. Besagte Menge also hat sich nun vor der 30 Meter breiten Hauptbühne (Mainstage) versammelt. Sie erwartet den Superstar: David Guetta. Der Rest der Open-Air-Anlage wirkt nun wie ausgestorben. So auch die Zeltbühne (TentStage), in der DJ T. die (undankbare) Aufgabe hat, für eine handvoll Hartgesottener, knarzenden Electro aufzulegen. Dabei ist DJ T. absolut in Ordnung: Gute Musik, gute Technik. Allein es bekommt niemand mehr mit. Denn seit kurz nach 21 Uhr hat keiner mehr ein Ohr für Underground Dance Music. Die Menge fiebert nur noch einem Sound entgegen. Einem Sound, den böse Zungen unreflektiert unter Autoscooter-Schlumpf-Techno subsumieren.

Aber deswegen sind wir ja auch nicht vorort. Nicht für die Mainstage hatten wir uns Knete in den Gehörgang gedrückt. Nein, unsere Aufmerksamkeit galt dem „Second Floor“: Der Zeltbühne. Versprach der Spielplan doch erstklassige Untergrundtanzmusik. Und während wir uns auf dem Areal aufhielten, wurde das auch gehalten. Die Jungs am Mixer sind zwar Namen aus der zweiten Reihe, allerdings von hochkarätigen Labels: Carsten Schuchmann alias Meat, sowie Thomas Koch alias DJ T. von „Get Physical Music“; Tobias Hagelstein alias Ruede Hagelstein von „Souvenir Records“. Und im Vergleich zu den Künstlern der Hauptbühne hatten sie einen großen Vorteil: Die Leute, die den Weg ins Zelt „fanden“, brauchten keine Aufforderung zum Tanz, keine Animation, kein: „Ich will Eure Hände sehen“. Hier gibt man sich dem Beat hin. Hier herrscht House Music - in all seinen Variationen. Hier herrscht Rhythmus. Hier herrscht Baß. Und was für ein Baß!

Noch am Vortag hatten wir bei einer Stippvisite auf dem Gelände die Zeltbühne inspiziert und dem Soundcheck beigewohnt. Das Bassdrum, das in dem 30 Meter breiten Zelt eingepegelt wurde, war so massiv, so „mighty“, daß es das gesamte Areal ausfüllen konnte. Und dann auch ausfüllt. Der Sound der Hauptbühne kommt dagegen beinahe mickrig und flach rüber.

Die TentStage ist quasi der Club des Geländes. Zwar klein, aber fein. Und so fein ist dann auch das Line-Up: Ruede Hagelstein erfüllt unsere Erwartungen. Abgesehen von Soul / Happy / LaLa House, bedient er sich der vollen Bandbreite des Genres: Minimal, Electro, Deep House - ein Ausflug ins ElectroBreakz-Gefilde inklusive. Auch in Punkto Stimmung variiert er sehr; nutzt Breaks dazu, mit einem noch wuchtigeren Baß zurückzukommen. Und anders als Meat – der die Tanzgemeinde eher mit deep / rhythmischem TechHouse fesselt – spielt der Mann aus Berlin auch einige Stücke mit Gesang, was uns persönlich sehr gut gefällt. Ab 21 Uhr versinkt die Zeltbühne leider in Bedeutungslosigkeit. DJ T. kann dafür nix. Er ist Opfer des Spielplans. Und ein Opfer der Technik, denn für Minuten fällt dann auch noch die PA im Zelt aus.

Doch auch die Hauptbühne hält was sie verspricht. Darüber sagen könnten wir einiges, müssen es aber unterlassen - lautet doch das free FM Motto: „Kein Kommerz auf Megahertz.“ Wie dem auch sei: Die Menge ist glücklich. Und darauf kommt es ja an. Und die halbe Tonne Sprengstoff, die zum Großfeuerwerk angekarrt wurde, wird dann auch ihren Beitrag dazu geleistet haben, dieses Open Air für alle zu einem wahren „SommerTagTraum“ zu verwandeln. Auch wenn es klimamäßig eher ein Herbsttag war. Aber so ist eben Ulm / Neu-Ulm. Insider sehen es schon als halbes Wunder an, daß es nicht - wie sonst zu solchen Anlässen üblich – „Hunde und Katzen regnet“. Und sollten am Ende auch noch alle tapferen Heels-Trägerinnen den Rasenparkur unverletzt überstanden haben, wird dieser Tag womöglich doch in die Geschichte der Stadt eingehen. Der Pabst war aber nicht da. Soviel ist sicher.

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Text & Fotos: Jörg Graßdorf, © 2011

Bildlegenden:
1) Tagaufnahme: "Vorher" - Ruhe vor dem Sturm: Das Areal ist noch jungfräulich. Links im Bild die "TentStage", hinten die "Mainstage".

2) Abendaufname: "Nacher" - Und das Münster blicket stumm, um das Areal herum: Guetta in Action.

Empfehlung | A Star Is Born | Kunst Als Motiv

Wer Musik nicht nur hören, sondern auch sehen möchte, hat bis zum 10. Oktober die Möglichkeit, im Essener Folkwang Museum die imponierende Ausstellung „A Star Is Born – Fotografie und Rock seit Elvis“ zu besuchen.

Rock Musik und House Music haben nämlich gemein, daß ihre Künstler um ein Image bemüht sind. Und hier setzt die Ausstellung ein. Sie zeigt wunderbar, wie sich das Phänomen „Image“ in der Rock Musik entwickelt hat. Am schönsten sieht man das übrigens bei den Aufnahmen, die David Bowie zeigen. Hier wird nicht nur der Wandel eines Künstlers prägnant sichtbar, sondern auch die Entwicklung der Fotografie an sich. Entsprechend hochkarätig (mittlerweile) sind Namen der Fotografen: Lynn Goldschmith, Alfred Wertheimer, Mick Rock, David Bailey, Jim Rakete, Jill Furmanowsky und Annie Leibovitz.

Die Palette der abgelichteten Künstler reicht von 1950 bis heute. Von Chuck Berry bis Frank Zappa, von Elvis Presley bis David Bowie, von Nina Hagen bis Franz Ferdinand, von Prince bis Metallica, von Bob Dylan bis Tom Waits, von Queen bis Coldplay. Ob als S/W-Aufnahme oder Hochglanz, ob beim Fotoshooting oder auf der Bühne, ob kopiert oder parodiert, ob gestellt oder bewegt, es ist verblüffend und packend zugleich, was die Ausstellung zusammengetragen hat. Auf vielen Bildern wird die Kraft und die Energie sichtbar, die in Musik steckt. Toll.

Toll vollgepackt ist auch das Kölner Museum Ludwig – bis zum 3. Oktober zeigt es „Roy Lichtenstein – Kunst als Motiv.“ Hier kann das andere Oeuvres von Lichtenstein - fern der Rasterpunkte - bestaunt werden. Nämlich seine "Auseinandersetzung mit kunsthistorischen Stilrichtungen von Expressionismus und Futurismus bis Bauhaus, Art deco oder der Landschaftsmalerei Ostasiens". Und am 30. September trifft dort mit "Roy Lichtenstein & The Bad Plus" Musik auf die Kunst des Pop Art Meisters.

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(Foto: Jörg Graßdorf | Museum Folkwang | (c) Mick Rock)

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