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Aus Print mach mehr - iz3w on Air! So die Devise der Zeitschriften-Redaktion des Informationszentrum 3. Welt in Freiburg (iz3w). Mit dem südnordfunk sendet das iz3w seit Juni 2014 eine monatliche Magazinsendung bei Radio Dreyeckland in Freiburg. Mit ausgewählten Inhalten und Debatten und Stimmen aus dem globalen Süden. Jetzt auch auf Radio free FM. Siehe auch Radio Dreyeckland - südnordfunk

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südnordfunk #105

Kommentar zur Biodiversitätskonferenz Teil 2

Der Schutz der Biologischen Vielfalt ist eine Versicherung gegen den Klimawandel. Darin sind sich die UN-Mitgliedstaaten einig. Wenig Einigkeit hingegen herrschte im Dezember 2022, als das Rahmenabkommen über Biodiversität verhandelt wurde. Wie und mit welchen konkreten politischen Strategien können Ökosysteme und Artenvielfalt erhalten werden? Die einen treibt vor allem die Sorge um die Existenzgrundlage der Wirtschaft um. Die anderen die Sorge der Menschen, die am Wohlstand wenig partizipieren und auf den Zugang zu intakten Ökosystemen angewiesen sind. Diese Interessenskonflikte gipfeln auch in einer widersprüchlichen Debatte darüber, ob die Natur Preisschilder braucht.

Interview mit Chief David Mungo Knox, Mitglied der indigenen Kanadischen Gemeinde der Kwakiulth First Nation

Walas `Namugwis, auch bekannt als Chief David Mungo Knox, ist Hereditary Chief der indigenen Kwakwaka’wakw Nation in T’asix’s, das auch den kolonialen Namen Fort Rupert, British Columbia trägt. Das Territorium der Kwakwaka’wakw befindet sich im Norden Vancouver Islands und ist geprägt vom Ozean, unzähligen Fjorden und Inseln, und dem uralten Küstenregenwald, in dem mehr als tausend Jahre alte Bäume wachsen.

Hereditary Chiefs werden durch Erbfolge bestimmt und haben gemäß der traditionellen Rechts- und Regierungsstrukturen ihrer Nationen, die Aufgabe, für die Menschen ihres Territoriums zu sorgen und das Land für nachfolgende Generationen zu bewahren.

Im Dezember letzten Jahres nahm Chief David Mungo Knox an der 15. UN-Biodiversitätskonferenz (COP-15) in Tiohtià:ke/Montreal teil, wo er sich mit Regierungs- und Wirtschaftsvertreter*innen aus der ganzen Welt traf, um auf die Notwendigkeit des Schutzes der biologischen Vielfalt aufmerksam zu machen. Auch nutzte er das Treffen um sich mit anderen indigenen Vertreter*innen auszutauschen und zu vernetzen.

Im Interview mit dem südnordfunk beschreibt er eindrücklich die Geschichte und das Gebiet der Kwakwaka’wakw und was der anhaltende Kolonialismus im sogenannten Kanada für die indigenen Nationen an der Westküste bedeutet. Außerdem beschreibt er seinen Einsatz gegen die Abholzung der letzten Stücke intakten Urwalds und was er bei der COP-15 erlebt hat.

Späte Einsicht bei VW?

Brasilien ist ein beliebtes Ziel für deutsche Unternehmen, und das war es auch während der Militärdiktatur (1964-1985). Der Autohersteller Volkswagen und andere Konzerne haben in dieser Zeit Profite gemacht. Aber nicht nur das. Oft haben die Firmen auch Menschenrechtsverbrechen geduldet und somit mitzuverantworten, wie am Fall von VW besonders deutlich wird.

VW hatte in den 1970er Jahren beschlossen, nicht nur Autos zu produzieren, sondern sich auch in der Rinderzucht zu betätigen. 1973 erwarb VW eine Fläche von 139.000 Hektar. Für das Abholzen, Niederbrennen und Umzäunen beauftragte das Firmenunternehmen Subunternehmer, die „gatos“ (Katzen) genannt werden: Zu den bevorzugten Opfern der gatos gehörten verschuldete Wanderarbeiter, deren Schulden sie übernahmen. Da von dem Lohn nach Abzug der Verpflegung kaum Geld zum Abzahlen der Schulden übrig blieb, gerieten verschuldete Wanderarbeiter in eine längerfristige Schuldknechtschaft. Deutsche Lateinamerika-Informationsdienste wie die `Brasilien-Nachrichten` klagten diese Arbeitsverhältnisse als Sklaverei an und fordern Wiedergutmachung.

Mit Hilfe einer derzeit laufenden Petition will die Brasilieninitiative unter der Federführung von Günther Schulz Druck auf Volkswagen ausüben.

(Quelle: https://rdl.de/beitrag/s-dnordfunk-105-die-iz3w-magazinsendung)

# 104 | Wächter des Waldes | Abkommen zur Biologischen Vielfalt | Medienaktivismus in Indien | Restitutionsdebatte in Burundi

Indonesien: Die Wächter des Klangs des Waldes und die Gefahr des Ökokolonialismus 

»Der Regenwald ist unser Haus.« So beschreiben die indigenen Orang Rimba den Tieflandregenwald auf der Insel Sumatra, Indonesien. Holzeinschlag, Bergbau, Plantagenwirtschaft, Naturschutz: Die Interessen des indonesischen Staates und internationaler Unternehmen am Regenwald, seinen Böden und pflanzlichen Ressourcen, bedrohen die Existenzgrundlage und seit Covid auch die Gesundheit der Orang Rimba, das Klima und die Biodiversität. Wie neokoloniale Begehrlichkeiten an diesem Ort wirken, darüber hat der südnordfunk mit Evi Mariani gesprochen, Journalistin und Mitbegründerin der indonesischen Medienorganisation Mutatuli.

COP 15: Das Rahmenabkommen zum Schutz der Biologischen Vielfalt. Bekommt die Natur ein Preisschild?

Der Schutz der biologischen Vielfalt ist eine Versicherung gegen den Klimawandel – darin sind sich die UN-Mitgliedstaaten einig. Wenig Einigkeit herrschte im Dezember, als das Rahmenabkommen über Biodiversität verhandelt wurde. Wie und mit welchen konkreten politischen Strategien können Ökosysteme und Artenvielfalt erhalten werden? Die einen sorgen sich um die Existenzgrundlage der Wirtschaft. Andere sorgen sich um die Menschen, die am Wohlstand wenig partizipieren, die aber gesunde Böden, intakte Ökosysteme und fischreiche Meere für ihre Ernährung brauchen. Diese Sorgen gipfeln in einer widersprüchlichen Debatte darüber, ob die Natur Preisschilder braucht. Ein kommentierender Beitrag.

Indien: »Journalismus für sich zu beanspruchen, ist aktiver Widerstand«

Das sagt die indische Filmemacherin Rintu Thomas. Was das konkret bedeutet, zeigt sie gemeinsam mit Sushmit Ghosh in ihrem Dokumentarfilm „Writing on fire“. Darin begleiten die beiden Filmemacher*innen drei Journalistinnen und ihr 28-köpfiges Team, das eine ausschließlich von Frauen geführte Zeitung Khabar Lahariya in eine crossmediale Medienplattform verwandelt. Mit Erfolg. Dabei setzen sich die Frauen aktiv gegen Machtverhältnisse und Gewalt auf allen gesellschaftlichen Ebenen zur Wehr. Anna Trautwein hat sich den Film angesehen.

Burundi: »Provenienz ist nichts Eindeutiges oder gar Offensichtliches.« Zum Umgang mit Raubgütern aus kolonialer Herrschaft.

Die Kolonie Deutsch-Ostafrika umfasste bis 1918 auch das heutige Staatsgebiet des Landes Burundi. Während der deutschen Kolonialherrschaft wurden aus der Region viele Objekte entwendet und in den globalen Norden verschafft. Die Debatte um Rückführung kolonialen Raubguts und einer Entschädigung beinhaltet damit auch Kulturgut aus Burundi. Allerdings steht das Bemühen um eine Restitution hier noch am Anfang. Wer über Restitution nachdenkt und an welcher Stelle der Prozess zu mehr Gerechtigkeit beginnen kann, darüber hat der südnordfunk mit dem burundischen Wissenschaftler Nyonkuru Aimé-Parfait gesprochen.

(Quelle: https://www.iz3w.org/aktuell/suednordfunk-104-januar-biologische-vielfalt)

# 103 | Horror - Science Fiction - Afrofuturismus

Ohne das Horrorgenre wäre die Kritik an den herrschenden Zuständen und der Macht in vielen Ländern deutlich gefährlicher, als sie es ohnehin schon ist. Wenn die Meinungsfreiheit verletzt und die Pressefreiheit beschnitten wird, dann bleibt oft das Horrorgenre ein wichtiger Kanal, um die herrschenden Zustände anzugreifen und zu verurteilen. So müssen im Horrorgenre oft die Mächtigen dran glauben. Mal geht es um Klassenkämpfe, mal um den Kampf um kulturelle Hegemonie und Ideologien, mal um den der Geschlechter.

„Der wahre Horror ist geschlechterspezifische Gewalt."

Kuntilanak und Sundel Bolong - weibliche Gruselfiguren in indonesischer Folklore

Was hat geschlechterspezifische Gewalt mit dem Horrorfilm zu tun? In Indonesien eine ganze Menge. „Der wahre Horror ist geschlechterspezifische Gewalt", sagt Evi Mariani von dem Medienprojekt Multatuli  aus Jakarta. Meike Bischoff hat mit ihr über Kuntilanak und Sundel Bolong  gesprochen, zwei weibliche Gruselfiguren in der indonesischen Folklore, ohne die ein guter Horrorstreifen in Indonesien kaum vorstellbar ist.   jetzt hören

„Der Tod der Schwarzen Figuren im Horrorfilm ist eine Form der Marginalisierung“

Das sagt Mark Harris, der sich mit Schwarzen Figuren, ihren Rollen und Klischees im Horrorfilm in den USA beschäftigt hat. Im Februar erscheint sein Buch „The Black Guy Dies First“ (Der Schwarze stirbt zuerst), das er gemeinsam mit Robin Means Coleman geschrieben hat. Kathi King hat mit dem Autor über seine Liebe zum Horrorgenre und die Rolle Schwarzer Figuren gesprochen.

„Fiktionen von einem Krieg der Welten und einer Militarisierung des Weltraums wurden immer als kapitalistische Horrorvision abgetan“

Science Fiction ist in Russland mit Propaganda und mit Gesellschaftskritik verknüpft: Das Genre erlaubt, andere Zivilisationsformen und andere Entwicklungswege als die des Kommunismus zu denken. Zugleich kolonisiert Science Fiction die Vorstellungswelten des fiktional Möglichen und damit auch das Verhältnis zur Gegenwart. Béla Hubens hat mit Matthias Schwartz über das Genre Science Fiktion in Russland gesprochen.

Quelle: (https://legacy.iz3w.org/projekte/suednordfunk/horror-gesellschaftskritik...)

#102 | Schwarzes Gold und grünes Glück?

In wenigen Tagen beginnt die 27. Weltklimakonferenz in Sharm El Sheikh in Ägypten. Dort wird auch darüber verhandelt, wer für Schäden und Verluste aufkommt, die infolge des Klimawandel schon heute unvermeidbar sind. In Europa ist derweil die unverzichtbare Energiewende in aller Munde, eine sozial-ökologische Transformation aber kaum in Sicht. Statt dessen steigt der Bedarf nach Rohstoffen mit der Elektrifizierung der Mobilität an, und der Bedarf nach Erdöl und Gas kurbelt seit Beginn des russisch-ukrainischen Konflikts die Nachfrage nach alternativen Rohölsorten an.

Der südnordfunk wirft im November Schlaglichter auf klimapolitisch relevante Schauplätze jenseits der Weltklimakonferenz.

Rohstoffe und Gipfeltreffen

Deutschland und die Europäische Union haben viel vor: Energiewende, Elektromobilität und European Green Deal. Die Rohstoffe dafür kommen überwiegend aus anderen Teilen der Welt. Bei dem Alternativen Rohstoffgipfel hat das zivilgesellschaftliche Bündnis AK Rohstoffe diskutiert, was sich für eine zukunftsfähige und global gerechte Rohstoffpolitik ändern muss. Ein Beitrag von Antonia Vangelista.

Guyana: Schwarzes Gold und der karibische Albtraum

Guyana leistet wie kaum ein anderes Land auf dem lateinamerikanischen Kontinent einen enormen Beitrag zum Schutz des Weltklimas. Mit der Entdeckung gigantischer Erdölfelder vor der Küste hofft Guyana nun, in Zukunft zum wichtigsten erdölexportierenden Land weltweit aufzusteigen. Das passt nicht zusammen. Welchen Weg wird das Land beschreiten? Die Erdölexporte in die EU jedenfalls steigen, das Engagement der Förderkonsortien auch. Ein Beitrag von Martina Backes.

Äpfel unterm Solarpanel – AgriPV und Landwirtschaft 5.0

Allerorten werden praktische Lösungen zur Energiewende ausprobiert, auch in Freiburg. Als Baustein der guten Praxis für eine klimafreundliche Landwirtschaft gelten AgriPV-Anlagen, ein anderer Lösungsansatz firmiert unter dem Label Landwirtschaft 5.0. Noch kurz nach knapp das Klima retten? Wer wagt‘s und wo hakt‘s? Unter diesem Titel hat das Eine Welt Forum in Freiburg gemeinsam mit dem südnordfunk drei Beiträge produziert. Tobias Keinath vom Fraunhofer Institut erklärt, wie eine AgriPV-Anlage funktioniert. Ronny Müller gewährt Einblick in die Landwirtschaft 5.0. Eine Podcastepisode von Melanie und Monika vom Eine Welt Forum Freiburg.

(Quelle: https://www.iz3w.org/projekte/suednordfunk/schwarzes-gold-gruenes-glueck)

# 101: Kämpferisches Kino

# Mexiko: Der Kampf um Gerechtigkeit

Vivas nos queremos – Wir wollen leben! – so der Ruf bei Demonstrationen mexikanischer Aktivistinnen, die Femizide in ihrem Land nicht länger hinnehmen möchten. Dort werden nach offiziellen Angaben jährlich über 2.000 Frauen aus geschlechtsspezifischen Motiven ermordet. Beispielsweise die zwölfjährige Fátima, die 2015 auf dem Heimweg von der Schule von drei Nachbarn abgefangen, misshandelt und ermordet wurde. Oder die 13-jährige Renata, die vom Ex-Partner ihrer Mutter in ihrem eigenen Zuhause getötet wurde.

Die Mütter der beiden toten Mädchen engagieren sich seitdem in feministischen Kollektiven und fordern von der Regierung Maßnahmen für ein Leben ohne Gewalt und Femizide. Regisseurin Angélica Cruz Augilar ist beim Kampf der Mütter ganz nah dabei und zeigt, wie wichtig deren Einsatz für Frauenrechte ist.

Eva sprach mit Angélica Cruz Augilar über ihren Film und das Unvorstellbare darin, aber auch über den erstarkenden Kampf der Frauen*, Feminiziden endlich ein Ende zu setzen.

# Brasilien: Rhythm and Resistance - Kreativer Protest aus dem Nordosten

Der Dokumentarfilm „Rhythm and Resistance“ zeigt die Hoffnungen und Ängste gesellschaftliche benachteiligter Gruppen vor den letzten Präsidentschaftswahlen in Brasilien, wie sich der Widerstand aus der brasilianischen Afro-Bewegung formierte, wie mutige Frauen, Indigene, LGBTs und soziale Gruppen zusammenkamen, um ihren Protest gegen den ultrarechten Populisten Jair Bolsonaro in die Gesellschaft zu tragen.

Meike sprach mit dem Filmemacher Marco Keller.

Der Journalist und Autor Niklas Franzen spricht zudem ein paar einordnende Worte nach den Präsidentschaftswahlen vergangenen Sonntag.

# Mali: Eine letzte Herberge

Wird über Migration aus dem afrikanischen Kontinent nach Europa gesprochen, geht es fast immer um die Gefahren der Reise oder die Routen, die sich verschieben. Selten geht es um die Rückkehr, um das individuelle Abbrechen. Und noch seltener um das, was zahlreiche Migrat*innen die meiste Zeit erleben: Festsitzen an einem Ort, an dem es kein vor und kein zurück gibt – nicht, ohne große Risiken einzugehen.

Der Dokumentarfilm The Last Shelter des malischen Filmemachers Ousmane Samassékou spielt an einem solchen Ort. Er gewährt Einblicke in den Zwiespalt derer, die in einer Herberge im Norden Malis vor der Entscheidung stehen, die Sahara zu durchqueren oder zurückzukehren in ihre Herkunftsländer, nachdem sie in der Sahara gescheitert sind.

Der südnordfunk sprach 2019, bevor Ousmane Samassékou den Dokumentarfilm drehte, mit dem Leiter der Herberge, Eric Kamdem. Der Filmemacher selbst war auf dem Menschenrechts-Filmfestival in Berlin letzten September zu hören. Leider verunglückte Eric Kamdem diesen August bei einem sehr tragischer Unfall auf dem Weg zu einer Migrationskonferenz in den Niger. Ein Beitrag von Martina Backes.

(Quelle: # 101: Kämpferisches Kino — iz3w - informationszentrum 3. welt)

# 100 mal südnordfunk

# Chile: Das Aus für den Verfassungsentwurf

Mehr Rechte für die indigene Bevölkerung, mehr Umweltschutz und das Recht auf Abtreibung schienen greifbar nah. Eine deutliche Mehrheit lehnte jedoch letzten Sonntag den Entwurf für eine neue Verfassung ab. Für die neue Magna Carta stimmten rund 38 Prozent – und damit deutlich weniger Menschen als erhofft.

Ist damit alles vor die Wand gefahren, was die Protestbewegung in Chile in den letzten drei Jahren auf den Weg gebracht hat? Interview mit der chilenischen Fotografin Nicole Kramm und Gespräch mit Luciano Ibarra

  • Die einstündige südnordfunk Sendung zur Revolte in Chile und den Hintergründen von 2020  hier

# Deutschland: Bündnis Gerechtigkeit für Hussam Fadl | Schoss die Polizei in Notwehr?

Kurz sah es so aus, als könnte der mutmaßliche Täter vor Gericht landen. Der Fall Hussam Fadl gehört zu den traurigen Fällen polizeilichen Versagens, wenn nicht rassistischer Gewalt in Deutschland: Der Iraker wurde im September 2017 auf dem Gelände einer Unterkunft für Geflüchtete von drei Polizeibeamten von hinten erschossen. Strittig ist nach wie vor, ob es Notwehr war. Lisa Westhäuser sprach nun erneut mit dem Bündnis Gerechtigkeit für Hussam Fadl und verfolgt den Fall.

# Südafrika: 10 Jahre nach der tödlichen Hetzjagd auf streikende Bergarbeiter

Zehn Jahre nach der polizeilichen Hetzjagd auf die streikenden Bergleute der Platinmine in Marikana bei Rustenburg in Südafrika gibt es noch immer keine Gerechtigkeit für die Opfer und Hinterbliebenen: Was bringt der Protest vor den Toren des deutschen Chemiekonzerns BASF, des Geschäftspartners der Minenbetreiber? Interview mit  Boniface Mabanza.

Shownotes

  • Beitrag zum Film "Miners Shot Down" mit einem Interview mit Bheki Buthelezi (Basisgewerkschaft) und Zivia Desai Keiper (Koproduzentin) sowie Interview mit Jo Seoka von der Bench Mark Foundation hier
  • Presseerklärung der Kampagne Plough Back the Fruits vom 15. August 2022
  • Das Teaserbild ist Teil der Ausstellung: Zehn Jahre danach

# Pakistan: 10 Jahre nach dem Brand in der Textilfabrik Ali Enterprise

Am 11. September 2012 starben 254 Menschen in Karachi, als eine Textilfabrik von Ali Enterprises in Flammen aufging und alle Notausgänge verschlossen waren. Dies gilt als eines der größten Tragödien in der Textilindustrie. Ali Enterprises nähte Bekleidung ausschließlich für den deutschen Discounter kik.

Nasir Mansoor, Generalsekretär der nationalen Gewerkschaftsvereinigung in Pakistan, spricht über die Schadensersatzzahlungen der Regierung und das Trauma, das bei den Hinterbliebenen bleibt. Besonderes Leid verursacht die Tatsache, dass die Schuldigen nie zur Verantwortung gezogen wurden. Das deutsche Unternehmen kik, die Wirtschaftsprüfungsgesellschaften und die lokalen Zulieferbetriebe – sie kamen alle ungestraft davon.

(Quelle: # 100 mal südnordfunk — iz3w - informationszentrum 3. welt)

# 99 | Mosambikaner*innen nach der Wende

„Wir waren schutzlos“ - Mosambikaner*innen nach der Wende

Das rechte Pogrom in Rostock-Lichtenhagen jährt sich in diesem August zum 30. Mal. Die Angriffe auf Asylbewerber*innen und vietnamesische Vertragsarbeiter*innen gehören zu den massivsten rassistischen Ausschreitungen in der Geschichte der Bundesrepublik.

Nicht nur Vietnames*innen, auch viele der rund 26.000 Arbeiter*innen und Studierenden aus Mosambik waren der rassistischen Gewalt der 1990er Jahre ausgeliefert. „Wir waren schutzlos und wir konnten nirgendwo hingehen“, erzählt der ehemalige mosambikanische Vertragsarbeiter David Macou über diese Zeit. Im südnordfunk im August blicken David Macou und Albino Forquilha auf ihre Jugend in und nach der DDR zurück – Und erklären, warum diese Jahre die besten ihres Lebens waren, obwohl Rassismus allgegenwärtig war.

(Quelle: # 99 | Mosambikaner*innen nach der Wende — iz3w - informationszentrum 3. welt)

# 98 Dark Tourism: Reisen an Orte des Gedenkens

Dark Tourism - Gedenkstätten als Tourismusdestinationen

Schlachtfelder, Gefängnisse, Massengräber. All das sind Orte, die mit menschlichen Katastrophen assoziiert werden. Mit Krieg, Tod, Mord. Mit Gräueltaten, Leid und Schmerz. Mit dem Paranormalen, manchmal dem Makabren.

Zunehmend werden diese Gedenk- und Erinnerungsorte touristisch erschlossen. Doch was bedeutet es, wenn etwa die Kerker und Verließe an der westafrikanischen Küste, aus denen versklavte Menschen über den Atlantik verschafft wurden, zu touristischen Besuchsorten werden? Wenn in Foltergefängnissen, oder in einer Siedlerkolonie, in dem ein Sektenführer sein Unwesen trieb, die Nachfahren der Opfer auf Reisende treffen?

Der südnordfunk hat drei solcher Gedenkstätten aufgesucht oder mit Menschen von vor Ort gesprochen.

Heritage Tourismus in Ghana

Über 300 Jahre lang wurden Millionen Menschen als Sklav*innen von Ghanas Küste aus über den Atlantik verschleppt. Viele Festungen, Schlösser und weitere Orte zeugen heute davon. Doch an einigen – inzwischen touristischen – Orten wird die Geschichte unvollständig erzählt, und lokale Einwohner*innen werden nicht in den Tourismus eingebunden. Wie es besser gehen könnte, darüber sprach Antonia Vangelista mit Dorfvertretern, Touristenführer*innen und einem Wissenschaftler in Ghana.

Colonia Dignidad zwischen Folkloretourismus und Gedenkstätte

Colonia Dignidad eine deutsche Siedlung in Chile, in der Oppositionelle gefoltert und ermordet, Bewohner*innen versklavt und vergewaltigt wurden – über Jahrzehnte, im Wissen deutscher und chilenischer Behörden. Inzwischen heißt die Siedlung Villa Baviera, sie lebt von Tourismus im bayerischen Stil, Landwirtschaft und Immobilienunternehmen. Eine Gedenkstätte gibt es bis heute nicht. Wie kann das sein?

Die Gedenkstätten der Gräueltaten der Roten Khmer

„Kambodscha, Reisen in ein traumatisiertes Land“ so lautet der Titel eines Reiseführers. Das schwere Erbe der Gewaltverbrechen der Roten Khmer (1975 bis 1979) belastet die kambodschanische Gesellschaft bis heute. Zwei Orte in Kambodscha, an denen das Pol Pot Regime systematische Verbrechen gegen die Menschlichkeit begangen hat, werden von Kambodschaner*innen und wesentlich mehr internationalen Tourist*innen besucht. Der Leiter des Tuol Sleng Genozid Museums, Hang Nisay, hofft mit der jungen Generation auf weitere Schritte für eine Aufarbeitung.

(Quelle: # 98 Dark Tourism: Reisen an Orte des Gedenkens — iz3w - informationszentrum 3. welt)

# 97 südnordfunk | Afropäisch – Schwarze europäische Identitäten

Die Vielfalt und mitunter Banalität Schwarzer Erfahrungen im Europa des 21. Jahrhunderts verhandelt Jony Pitts in seinem Buch „Afropäisch“. Dafür hat sich der britische Journalist, Autor und Musiker auf eine Reise durch das Schwarze Europa gemacht. Im südnordfunk stellen wir sein vielfach ausgezeichnetes Buch- und Fotoprojekt vor und sprechen mit Johny Pitts über Schwarze europäische Identität(en). Außerdem beschäftigen wir uns mit LSBTI-Aktivismus in Nicaragua und stellen ein Community Radio aus Chile vor.

Afropäisch - Collagen des Schwarzseins

„Afropäisch bedeutet für mich eine verwischte Identität, ein Zwischenraum“. In seinem essayistischen Reisebericht begibt sich der britische Autor Johny Pitts auf die Suche nach einer Schwarzen europäischen Identität. Dabei verbindet er zufällige Begegnungen mit der Geschichte des europäischen Kolonialismus und mit Alltagsbildern Schwarzer Europäer*innen. Über diese „Collage des Schwarzseins“ und darüber, warum niemand unter 30 ein Buch schreiben sollte, spricht er im Interview mit Kathi King.

Radio Kurruf – Medium der indigenen Mapuche aus Chile

Die Mapuche sind die größte indigene Gruppe in Chile. Diskriminierung, Polizeigewalt und die Aneignung ihres Landes durch den chilenischen Staat und transnationale Unternehmen gehören zu ihrem Alltag. Doch die Erfahrungen der Mapuche kommen in vielen großen Medien in Chile kaum vor. Im nichtkommerziellen Community-Sender Radio Kurruf sprechen Vertreter*innen der Mapuche für sich selbst. Unsere Kolleg*innen von onda info stellen Radio Kurruf in ihrem Format „Reinhörer“ vor.

Nicaragua – Sexuelle Vielfalt sichtbar machen

„Unsere Gay Prides wurden von Jahr zu Jahr zu größer - bis alle Demonstrationen 2018 verboten wurden“. Der LSBTI-Aktivist Iván Perez ist seit Mitte der 1990er Jahre politisch aktiv. Mit der LSBTI-Bewegung hat er erfolgreich für mehr Sichtbarkeit gekämpft – und kämpft weiter, trotz den Repressionen nach den niedergeschlagenen Protestesten gegen Präsident Ortega 2018. Im Interview mit Lisa Westhäußer erzählt er, welche Rolle Medien bei der Anerkennung sexueller Vielfalt spielen.

(Quelle: # 97 südnordfunk | Afropäisch – Schwarze europäische Identitäten — iz3w - informationszentrum 3. welt)

# 96 südnordfunk | Zeitenwende in Mali

Reportage: The Last Shelter – Wenn es weder vor noch zurückgeht

Wird über Migration aus dem afrikanischen Kontinent nach Europa gesprochen, geht es fast immer um die Gefahren der Reise oder die Routen, die sich verschieben. Selten geht es um die Rückkehr, um das individuelle Abbrechen. Und noch seltener um das, was zahlreiche Migrat*innen die meiste Zeit erleben: Festsitzen an einem Ort, an dem es kein vor und kein zurück gibt – nicht, ohne große Risiken einzugehen.

Der Dokumentarfilm The Last Shelter des malischen Filmemachers Ousmane Samassékou spielt an einem solchen Ort. Er gewährt Einblicke in den Zwiespalt derer, die in einer Herberge im Norden Malis vor der Entscheidung stehen, die Sahara zu durchqueren oder zurückzukehren in ihre Herkunftsländer, nachdem sie in der Sahara gescheitert sind. Der südnordfunk sprach 2019, bevor Ousmane Samassékou den Dokumentarfilm drehte, mit dem Leiter der Herberge, Eric Kamdem. Der Filmemacher selbst war auf dem Menschenrechts-Filmfestival in Berlin letzten September zu hören.

Interview: Versorgungskrise und Militarisierung in Mali – eine Folge der Sanktionen gegen die Übergangsregierung?

Die Westafrikanische Wirtschaftsgemeinschaft ECOWAS hat gegen Mali harte Sanktionen verhängt, nachdem die Übergangsregierung Anfang des Jahres angekündigt hatte, die Wahlen zu verschieben. Grenzschließungen und der Ausschluss aus dem Zahlungsverkehr trifft das Land hart. Dennoch wird aufgerüstet, die Dschihadisten gewinnen wieder an Einfluss. Die malische Bevölkerung, die vom Klimawandel und einer heftigen Ernährungskrise betroffen ist, leidet unter den Sanktionen.

Alassane Dicko vom Netzwerk Afrique Europe Interact aus Mali berichtet über die konkreten Folgen der Wirtschaftsblockade, über die Militarisierung und den Rückhalt, den die Übergangsregierung seitens der Bevölkerung genießt.

Bildsprache: Einsatz in Mali – mehr als nur Inszenierung?

Annalena Baerbock lachend inmitten von Schwarzen Frauen mit Kopftüchern. Annalena Baerbock beim Versuch, Melonen auf dem Rücken zu tragen. Diese Bilder von der Reise der deutschen Außenministerin Mitte April in Mali fanden viele Medien toll. In den Sozialen Medien sind nicht alle begeistert. Auf Twitter kommentieren einige User*innen, die Bilder seien reine PR und bedienten koloniale Stereotype. Wir haben uns im südnordfunk einige Bilder genauer angeschaut, gemeinsam mit der Bildwissenschaftlerin Heike Kanter und Tahir Della von der Initiative Schwarzer Menschen in Deutschland.

(Quelle: # 96 südnordfunk | Zeitenwende in Mali — iz3w - informationszentrum 3. welt)

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